Was müssen Deutsche beachten, die in die Schweiz auswandern?
Das Schweizer Krankenkassensystem funktioniert ganz anders als das Krankenkassensystem in Deutschland. Worin genau die Unterschiede liegen, werden wir im Folgenden klären.
Die Schweiz ist nicht nur aufgrund der exzellenten Lebensqualität attraktiv für viele Auswanderer, sie gilt auch nach wie vor als Steuerparadies. Die Löhne sind hoch. Sogar Hilfskräfte verdienen bis zu 6.000 Schweizer Franken (CHF) im Monat. Die Schweiz zählt allerdings nicht zu den EU-Mitgliedsländern.

Unterschied deutsches Krankenkassensystem und Schweizer Krankenkassen

4 Punkte auf die Sie achten müssen, wenn Sie in die Schweiz auswandern

  • Auswanderer sind verpflichtet, beim Amt für Migration den Aufenthaltstitel zu beantragen, sich in der gewählten Wohngemeinde anzumelden sowie vor Ort einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung zu stellen. Das muss bis 14 Tage  nach der Einreise und spätestens 1 Tag vor Arbeitsbeginn erfolgt sein.
  • Die finanziellen Mittel zum Bestreiten des Lebensunterhaltes müssen ausreichend sein. Hier genügt die Vorlage der Arbeitserlaubnis zusammen mit dem Arbeitsvertrag oder der Nachweis von Vermögen.
  • Es existiert kein Kündigungsschutz wie ein Deutschland und die maximale wöchentliche Arbeitszeit darf bis zu 50 Wochenstunden betragen.
  • Wer seinen Wohnsitz in die Schweiz verlagert, ist auch dort krankenversicherungspflichtig. Auswanderer müssen sich um ihre  Versicherung selbst kümmern, es gibt eine Basis-Pflichtversicherung. Laut Krankenversicherungsgesetz (KVG) sind alle Krankenkassen zur Aufnahme jedes Antragstellers verpflichtet. Die Krankenkassenwahl steht jedem frei. Versicherte müssen eine Franchise entrichten, die von der jeweiligen Krankenkasse in Absprache mit dem Kunden festgelegt wird. Wer beispielsweise eine Franchise von 600 Franken festgelegt hat und der Krankheitsfall die Kosten um 200 Franken übersteigt,  bekommt der Versicherungsnehmer die Differenz von 200 Franken.

Die Deutsche Krankenversicherung

In Deutschland können Versicherungsnehmer zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung wählen. Die Beitragshöhe ist abhängig vom individuellen Einkommen. Die Mitversicherung von Familienmitgliedern ist möglich. Arbeitgeber und Angestellte teilen sich die monatlichen Kosten für die gesetzliche Krankenkasse in Höhe von 14,6%.

Was ist anders am Schweizer Krankenkassensystem?

Der in Deutschland übliche Zuschuss zum Krankenkassenbeitrag durch den Arbeitgeber entfällt in der Schweiz. Eine Zusatzversicherung, die das Krankentagegeld beinhaltet, kann alternativ vereinbart werden. Nur dann kommt der Arbeitgeber im Krankheitsfall des Arbeitnehmers mit einer Weiterzahlung von bis zu 80 Prozent des Gehaltes auf.

Familienmitglieder sind von einer Mitversicherung ausgeschlossen. Allerdings bieten einige Krankenkassen sogenannte „Familienversicherungen“ an. Zum Beispiel erhalten Kinder dann in diesen Kassen günstigere Prämien bei der Grundversicherung.

Insgesamt sollte beachtet werden, dass die Krankenversicherung pro Kopf gezahlt werden muss. Die Beitragshöhe, die vom Versicherungsnehmer zu entrichten ist, orientiert sich an der Region, nicht am Einkommen.

Wer wenig verdient, kann einen Antrag auf Prämienminderung in seinem Kanton stellen.

Sonderfall Grenzgänger

Deutsche, die ihren Arbeitgeber in der Schweiz haben, sind von einer Sonderregelung betroffen. Hier greift das Abkommen zwischen der Schweiz und Deutschland. Folglich haben besagte Grenzgänger drei Monate nach ihrem Jobbeginn in der Schweiz Bedenkzeit, um sich für eine Schweizer oder eine deutsche Krankenversicherung zu entscheiden. Grenzgänger, die in Deutschland pflichtversichert sind, zahlen einen Beitrag von 14,6 Prozent.

Grenzgänger haben die Wahl zwischen der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland, der gesetzlichen Pflichtversicherung in der Schweiz und der privaten Krankenversicherung.

Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland birgt einen großen Nachteil: Da Arbeitgeber in der Schweiz keinen anteiligen Beitrag zur leisten müssen, darf der Versicherungsnehmer als Grenzgänger den vollen Beitrag selbst leisten.

Diese Versicherung ist nur für Geringverdiener sinnvoll,  da sie sich kostenlos in der Familienversicherung der GKV mitversichern können.

Bei der Pflichtversicherung in der Schweiz nach KVG, dem Modell E106, dominieren meist die Vorteile. Leistungsanspruch wird in Deutschland und der Schweiz gewährleistet und der Beitrag ist moderat. Familienmitglieder können bei diesem günstigen Tarif  kostenfrei mitversichert werden, vorausgesetzt, der Ehepartner geht in Deutschland einer Arbeit nach und ist gesetzlich versichert.

Es empfiehlt sich aber eine Zahn-Zusatzversicherung sowie eine Versicherung, die Pflege und stationäre Behandlungen abdeckt. Ein Wechsel in die deutsche gesetzliche Krankenversicherung ist möglich- zum Beispiel in der Rente.

Bei der privaten Krankenversicherung stellt der Versicherungsnehmer das Leistungspaket individuell nach seinem Bedarf zusammen. Eine gratis Mitversicherung von Familienmitgliedern ist jedoch nicht möglich.

Das ideale Krankenversicherungspaket für Auswanderer in die Schweiz

Die Grundversicherung ist obligatorisch und einkommensunabhängig. Die Mitgliedschaft bei einer Schweizer Krankenversicherung bescheinigt lediglich die Grundversicherung, die in ihren Leistungen solide und umfassend ist. Trotz starker Leistungspakete ist der Abschluss ergänzender Tarife wie die Zahnzusatz-Police sinnvoll.

Da Einwanderer aber auf den von Deutschland gewohnten Arbeitgeberanteil zur GKV verzichten müssen, sollten sie die teils sehr kostspieligen Zusatztarife vor Vertragsabschluss ausgiebig unter die Lupe nehmen bevor sie sich für die passenden entscheiden.

Achtung: Manche Krankenkassen zahlen erst zum Jahresende- also vorher genau die Vertragsbedingungen durchlesen!

Die zu entrichtende Franchise beginnt bei 300 Franken. Bei einer hohen Franchise ist der Monatsbeitrag gering. Hier gilt: Je höher die Franchise, desto günstiger die Prämie. Bei einer niedrigeren Franchise hat der Versicherte weniger Selbstbehalt. Aus dem Grund ist es immer wichtig die richtige Franchise zu wählen.

Die Franchise kann jährlich geändert werden. Bei Schwangeren entfallen die Franchise und der Selbstbehalt. Die Schwangerschaft muss hierzu ärztlich attestiert werden.

Jeder Kanton hat einen eigenen Grundversicherungs-Tarif, dieser ist jährlich im November kündbar und kann gewechselt werden. Es ist möglich die private Zusatzversicherung beim gleichen Versicherer abzuschließen wo bereits die Grundversicherung besteht.

Die Grundversicherung beim Versicherer A kann aber auch mit einer privaten Zusatz-Police beim Versicherer B kombiniert werden.

Wichtig ist es vorher eine exakte Bedarfsanalyse durchzuführen und einen Beratungstermin beim Experten zu vereinbaren. Was soll von der Versicherung abgedeckt sein? Zahnersatz, Ein-Bett-Zimmer im Krankenhaus, Brille, Fitness Studio, Klettern? Alles ist möglich.