Rund 10.000 Schweizerinnen und Schweizer leiden an Multipler Sklerose (kurz: MS), einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weltweit sind etwa 2 Millionen Menschen betroffen. Die Krankheit ist mit Stand von heute nicht heilbar, kann durch moderne Behandlungsmethoden in ihrem Verlauf jedoch abgeschwächt werden. Erkrankte und Angehörige fragen sich häufig: Ist MS an Nachkommen vererbbar? Wir klären auf.

Multiple Sklerose keine klassische Erbkrankheit

MS wird nicht direkt von Eltern an Kinder vererbt. Allerdings kann das Risiko, zu erkranken, bei Nachkommen leicht erhöht sein. Während es bei den Kindern nicht MS Kranker bei 0,1 % durchschnittlich liegt, besteht bei direkten Nachkommen von MS-Patientinnen und Patienten ein zwei-prozentiges Risiko, ebenfalls zu erkranken.

Wie sieht es bei Geschwistern aus?

Eineiige Zwillinge von MS-Kranken weisen ein eigenes MS-Risiko von 25 % auf. Das ist ein 250-fach erhöhtes Risiko im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Zweieiige Zwillinge und andere zu 50 % genetisch mit Betroffenen identische Geschwister haben in etwa das gleiche MS-Risiko wie die Nachkommen von MS-Patienten. Bei Halbgeschwistern reduziert sich dieses auf rund 1 %.

MS-Symptome und Risikofaktoren

Die konkreten Ursachen der Erkrankung sind noch nicht lückenlos nachgewiesen. Allerdings zeigt sich, dass die meisten MS-Patienten an einem Vitamin-D-Mangel leiden. Höhere Vitamin-D-Spiegel im Blut scheinen zudem dem Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. 

Teilweise konnte untersucht werden, dass bei MS-Patienten bereits bei der Geburt eines Vitamin-D-Mangel bestand. Dieser könnte auch genetische Ursache haben. 

Zudem deuten verschiedene Untersuchungen auf einen Zusammenhang zwischen Ernährung und dem Auftreten von MS hin. Wissenschaftler konnten in Laborversuchen nachweisen, dass die Darmflora eine entscheidende Rolle beim Ausbruch der Erkrankung spielt. 

Ferner stehen das Epstein-Barr-Virus, Herpes-Viren und andere Krankheitserreger im Verdacht, zum Ausbruch einer MS-Erkrankung führen zu können. Dabei verwechselt das körpereigene Immunsystem die Keime mit körpereigenem Gewebe und attackiert die Hüllschicht der Nervenfasern (Autoimmunreaktion).

Vor allem die im Gehirn und Rückenmark liegenden Fasern werden Stück für Stück (in Schüben verlaufend) beschädigt oder gar komplett zerstört. Zurück bleiben Vernarbungen (Sklerosen / Läsionen).

Häufige Symptome, die auf eine MS hindeuten:

  • Spastische (krampfartige) Lähmungen 
  • Koordinationsstörungen 
  • Gefühlsstörungen 
  • Taubheitsgefühl („Ameisenkribbeln“)
  • Sprachstörungen

Amalgam als Risikofaktor?

Ein Zusammenhang zwischen der Freisetzung von Quecksilber aus Amalgamfüllungen im Zahn und der Entstehung von MS ist nicht restlos nachgewiesen, allerdings wahrscheinlich. In jedem Fall raten Experten dazu, alte Amalgamfüllungen durch moderne Keramik-, Kunststoff- oder Kompositfüllungen austauschen zu lassen.

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MS Behandlung: Welche Prognose gibt es?

Grundlegend gilt: Je früher die MS auftritt und diagnostiziert wird, desto besser die Prognose. Etwa 33 % aller Patientinnen und Patienten können ihr Leben ohne grössere Behinderungen weiterführen. Weitere 33 % müssen mit neurologischen Einschränkungen rechnen, können ihren Beruf jedoch weiterhin ausüben. Das übrige Drittel aller Patienten leidet dauerhaft an Symptomen, die zu einer dauerhaften Behinderung, Berufsunfähigkeit und teilweise auch Pflegebedürftigkeit führen.

Die meisten MS-Erkrankungen treten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die Wahrscheinlichkeit danach, vor allem mit über 60 Jahren, an Multipler Sklerose zu erkranken, ist sehr unwahrscheinlich. Dennoch sollten Symptome in jedem Alter ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Therapien

Akute MS-Schübe werden für gewöhnlich mit Kortison (als Infusion) behandelt. Das Medikament wird in hoher Konzentration verabreicht, um die Entzündungsreaktion zu unterbinden. 

Die dauerhafte Behandlung (Verlaufstherapie) erfolgt mit Interferon-beta-Präparaten, Teriflunomid oder Dimethylfumarat – bei schweren Verläufen auch mit Natalizumab, Fingolimod, Alemtuzumab, Daclizumab, Cladribin, Mitoxantron oder dem ebenfalls in der Krebstherapie verwendeten Zytostatikum Cyclophosphamid.

Neuere Untersuchung zeigen, dass medizinisches Cannabis ein klinisches Potential bei der Behandlung von Mobilitätseinschränkungen und Schmerzen bei MS besitzt. Aktuell ist Sativex® in der Schweiz heilmittelrechtlich zugelassen. Das Medikament darf von Ärzten und Ärztinnen bei Spastiken wie sie bei Multipler Sklerose auftreten ohne Ausnahmebewilligung des BAG (Bundesamt für Gesundheit) verschrieben werden.

Begleiterscheinungen behandeln

Oft gehen Depressionen und chronische Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) mit einer MS einher. Statt sofort auf Antidepressiva zu setzen, empfiehlt sich ein kontinuierliches, nebenwirkungsfreies und an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasstes Kraft- und Ausdauertraining. Ergänzend kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Bei Sprech und Schluckstörungen aufgrund von MS, lässt sich die Symptomatik durch eine Logopädie verbessern. Diese wird für gewöhnlich von der Grundversicherung übernommen.  

Lebenswandel: Ernährung und Aktivität bei MS

Auch der Lebenswandel hat einen direkten Einfluss auf die Prognose einer MS-Erkrankung. Regelmässiges Bewegung, idealerweise an der frischen Luft, kombiniert mit einer anti-entzündlichen Ernährung, KANN den Verlauf positiv beeinflussen und dient in jedem Fall als Prophylaxe. Vor allem der Abbau bzw die Vermeidung von Stress scheint einen positiven Effekt zu haben. Eine ausreichende Aufnahme von Vitamin D wirkt sich ferner positiv auf auf Begleiterscheinungen wie Erschöpfung und Depressionen aus. Ob Vitamin D auch die MS direkt beeinflusst – wenn KEIN Mangel vorherrscht – ist nicht eindeutig nachgewiesen. 

Weissmehl, Zucker sowie darmschädigende Süssstoffe und gesättigte Fettsäuren sollten MS-Patientinnen und -Patienten lieber vermeiden. Empfehlenswert sind stattdessen antientzündliche Nährstoffe (Antioxidantien) und Probiotika. Letztere unterstützen die Darmflora und körpereigene Reparaturmechanismen.

Komplementärmedizin: alternative Therapien bei MS

Die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Ansätze bei MS ist nicht evidenzbasiert, kann das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten allerdings massgeblich verbessern und damit auch den Verlauf der MS positiv beeinflussen.

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Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige

Menschen mit MS können sich in verschiedenen Internetforen und Selbsthilfegruppen mit anderen, direkt oder indirekt von der Krankheit betroffenen Personen austauschen. Auch die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft steht Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen mir Rat und Tat zur seite. 

Quellen:

https://www.neurologe-grass.at/ms-special/ist-ms-vererbbar/

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-Multipler-Sklerose,multiplesklerose180.html

https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/UmweltKommission/Archiv/Amalgam_Materialienband.pdf?__blob=publicationFile

https://www.multiplesklerose.ch/de/ueber-ms/behandlung/verlaufstherapie/