Das Coronavirus zwingt das Schweizer Gesundheitssystem in die Knie. Das Budget der Institutionen ist ausgereizt. Nun droht ein neues Fiasko: Wenn der Bund nicht finanziell für die Folgen der Pandemie aufkommt, könnten die Krankenkassen und somit die Versicherten belastet werden, sprich die Prämien in schwindelerregende Höhen schnellen.

Doch ist die Umlage auf den Prämienzahler gerechtfertigt?Wer fühlt sich für diesen Ausnahmezustand, den Corona nach sich zieht, verantwortlich und führt die Schweiz aus der Krise? Der Bundesrat bleibt bisher die klare Antwort schuldig.

Ist das Krankenversicherungs-System schon verseucht?

Nach dem jetzigen Stand tragen die einzelnen Kantone 55 Prozent der Krankenhauskosten, die verbleibenden 45 Prozent die Krankenversicherungen, und schlussendlich der Beitragszahler. Die Prognose für 2021 sieht also düster aus.

SP-Präsident Christian Levrat nimmt dazu wie folgt Stellung: «Es darf nicht sein, dass die Corona-Kosten auf die Prämienzahler abgewälzt werden. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Der Bund hat dafür Sorge zu tragen, dass der finanzielle Mehraufwand nicht auf den Versicherungsnehmer umgewälzt wird».

Steigen 2021 die Schweizer Krankenkassenprämien?

Zwar werden die Versicherungsnehmer im Moment noch damit beschwichtigt, dass prämientechnisch vorläufig „alles beim Alten“ bleibt- allerdings weiß aktuell niemand, welche Kreise die Corona-Krise noch ziehen wird. Ist die Corona KV-Beitragsanpassung wirklich pure Fiktion?

2019 haben die Ausgaben für die Grundversicherung mit zirka 31 Milliarden Franken schon gravierend angezogen. Umgerechnet auf den einzelnen Versicherten ist dies eine Steigerung von 4,2 Prozent gegenüber 2018. Das Schweizer Gesundheitssystem schreit nach Reformen.

Am schwersten betroffen ist der Mittelstand. Gerade die Familien können einen Prämienerhöhung von 2 oder 3 Prozent kaum verschmerzen, die Haushaltskasse wird immens geschröpft.

Darüber hinaus haben viele Mittelständler bereits diverse Sparoptionen der Krankenkassen genutzt und sich für einen internen Tarifwechsel bei ihrem Versicherer entschieden. Andere konnten sich auf eine höhere Franchise festlegen.

Wann schnellen die KV-Kosten in die Höhe?

Wann darf die KV erhöhen? Beeinflusst Covid-19 die Krankenkassen-Beiträge? Im Nachbarland Deutschland sind solche Miseren bei den Prämien eingerechnet und mit Risikokapital abgesichert.

Die PKV darf die Beträge dort nur erhöhen, wenn es eine Differenz von über 10 Prozent zwischen den prognostizierten und einkalkulierten Versicherungsleistungen gibt und die PKV mit unvorhersehbaren eklatanten Mehrausgaben zu kämpfen hat.

Ein Anstieg der Prämie ist darüber hinaus auch möglich, wenn die Versicherungsnehmer laut Statistik durchschnittlich wesentlich älter werden als der Versicherer errechnet hat und analog der finanzielle Gesundheitsaufwand drastisch ansteigt.

Wie ist das in der Schweiz geregelt?

In diesem Jahr konnten die Krankenversicherungen Reserven abbauen, deshalb war der Prämien-Anstieg 2020 gering bis moderat und soll sich optimistisch gesehen 2021 bei etwa 2 Prozent Zuwachs ansiedeln.

Aber was passiert, wenn die Gesundheitskosten explodieren? Die durch Covid-19 massiv zu Buche schlagenden Gesundheitskosten könnten die Versicherungen in einen desolaten Status Quo katapultieren.

Krankenkassen-Experte des Vergleichsdienstes Comparis Felix Schneuwly äußert sich zu den steigenden Gesundheitskosten in der Schweiz folgendermaßen, verbunden mit einem Ausblick auf das Jahr 2021:

«Ja, der Anstieg der eigentlichen Kosten liegt bei 2 bis 3 Prozent. Das ist aber auch schon eine Verbesserung: In den Jahren zuvor lagen wir da bei rund 4 Prozent.

Die rasant steigenden Kosten haben wir inzwischen in der Tendenz gebannt: Ich gehe davon aus, dass wir sie trotz alternder Bevölkerung und medizinischem Fortschritt besser im Griff haben werden.»

Die Situation ändert sich allerdings momentan täglich bis stündlich. In einem rasanten Tempo steigen die Zahlen der Covid-19-Infizierten und ein Ende der Katastrophe ist noch nicht abzusehen.

Sicher ist, dass dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal neu diskutiert werden muss. Der Versicherte will Lösungen und ist jetzt schon in der Habachtstellung im Hinblick auf die Versicherungs-Tarife.

Gesundheit & Gesellschaft- Stabilität adieu?

Bundesrat Alain Berset, der sich für ein bezahlbares Gesundheitssystem und eine realistische Kostendämpfung einsetzt, hatte gerade für 2020 eine positive Bilanz gezogen.

Jetzt muss er an die Unterstützung des Parlaments appellieren, um zügig nachzubessern und schnell effektive Maßnahmen zu schaffen. Wie kann er die hohe Qualität des Schweizer Gesundheitssystems zusammen mit mäßigen KV-Tarifen aufrechterhalten?

Die Ausgaben in Sachen Health steigen derzeit drastisch bis ins Unermessliche…Wer fängt die wachsenden Gesundheitskosten auf, wenn die Wirtschaft in die finanzielle Schieflage gerät?

Ob die Krankenkassenbeiträge tatsächlich boomen werden, steht wohl noch in den Sternen, doch überstrapaziert ist der Gesundheitssektor schon jetzt…