Wie das Onlineportal der Boulevard-Tageszeitung “Blick” berichtet, verweigerte die Sanitas Krankenkasse einem Versicherten kürzlich die Kostenübernahme einer Hepatitis C-Therapie.

Therapie hat nicht angeschlagen

Der gelernte Mechaniker war lange Jahre Drogenabhängig und in der Zürcher Fixerszene unterwegs. Dennoch habe er die letzten 30 Jahre immer gearbeitet und seine Brötchen selber verdient, betont er in dem Interview. Heute ist der mittlerweile 55-Jährige dank Methadonprogramm “clean”. Was ihm bleibt ist eine Infektion mit Hepatitis C.

Eine Therapie, die in 98 % der Fälle hilft, hat bei dem einst Drogensüchtigen nicht angeschlagen. Ein Medikament (Vosevi, Kostenpunkt:  60.000 bis 70.000 Franken), das noch größere Erfolgsaussichten verspricht, ist längst auf dem Markt. Anna Conen, leitende Ärztin am Spital in Aargau sagt: «Das beantragte Medikament ist das einzige, das für meinen Patienten momentan zur Verfügung steht».

Sanitas lehnt Kostenübernahme ab

Leider scheitert der Behandlungsversuch am Schweizer Krankenkassensystem. Die Krankenkasse des Betroffenen will die Kosten für die Therapie nicht übernehmen. Als Begründung heißt es: «Aufgrund der vorliegenden Informationen lässt sich kein prospektiver Nutzen für die geplante Therapie erwarten und eine Kostenübernahme ist ausgeschlossen.»

Sowohl die behandelnde Ärztin als auch Philip Bruggmann (48), Präsident von Hepatitis Schweiz, zeigen sich im Gespräch mit “Blick” entsetzt. Bruggman sagt:  «Bei Personen, die auf die heutigen Therapien nicht ansprechen, handelt es sich fast immer um Patienten mit fortgeschrittenem Leberschaden. Hier drohen bei nicht sofortiger Zweitbehandlung schwerwiegende Konsequenzen, sowohl für die betroffene Person als auch für den Kostenträger.»  Das Verweigern einer einer vom Spezialisten beantragten Zweitbehandlung sei für ihn als Mediziner deshalb vollkommen unverständlich. Schließlich sei, so Conen: «Alles wissenschaftlich fundiert, mit Literatur hinterlegt.»

Patient darf hoffen

Obwohl die Sanitas lange an ihrer Meinung festhielt, dass die Erfolgdaussichten der neuen Therapie nicht ausreichend wissenschaftlich belegt seien, darf der an Hepatitits-C Erkrankte nun hoffen. Wie die Krankenkasse verlauten lässt, hat ein Treffen mit Spezialisten auf dem Gebiet von Hepatitis-C-Zweittherapien stattgefunden und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu tage befördert. Auf Grundlage der neuen Fakten müsse man diesen Einzelfall noch einmal neu bewerten.

Jedes Jahr infizieren sich in der Schweiz etwa 40.000 Menschen mit Hepatitis-C- Vor allem der gemeinsame Gebrauch von Injektionsspritzen stellt ein Infektionsrisiko dar. Bei 1/4 der Infizierten entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Leberzirrhose, wodurch die Gefahr, an Leberkrebs zu erkranken, signifikant ansteigt. Pro Jahr sterben in der Schweiz rund 200 Menschen an den unterschiedlichen Folgen von Hepatitis-C.